Ein offener Leserbrief:

Droht uns bald ein Verbot privater Automobile?
Von Axel Wahlen, Niederdürenbach

 
Das entsetzliche Attentat von Apeldoorn, bei dem ein wahrscheinlich geisteskranker Autofahrer seinen Suzuki-Kleinwagen als Mordwerkzeug einsetzte und sechs Menschen tötete und elf Menschen zum Teil erheblich verletzte, zeigt drastisch, dass sich solche Wahnsinnstaten durch Verbote nicht verhindern lassen. In den Niederlanden suchen nun 250 Polizisten nach den Hintergründen und Motiven der Tat. Ich glaube jedoch nicht, dass auch nur ein Holländer darüber nachdenkt, als Konsequenz die private Nutzung von Kleinwagen zu verbieten. Ist ja auch Blödsinn, die Verfehlung eines Einzelnen auf eine ganze Personengruppe zu pauschalisieren, oder? Niemand käme doch auf die Idee, aufgrund einzelner Verstöße von Hundebesitzern, die Haltung von Hunden generell zu verbieten, oder?? In Deutschland kann ich mir da allerdings leider nicht so sicher sein, wie die aktuelle Diskussion nach den schrecklichen Ereignissen von Winnenden, Wendlingen und Eislingen zeigt!
 
Natürlich werfen diese Taten hierzulande die Frage nach den Ursachen und wie man diesen wirkungsvoll begegnen kann auf. Leider ist jedoch festzustellen, dass einige Politiker und Journalisten diese sachlich zu führende Diskussion missbrauchen, um sich populistisch in Szene zu setzen und eine unsinnige Verschärfung des deutschen Waffengesetzes zu fordern. Dabei scheuen sie sich nicht, unwahre Behauptungen und gefälschte Fakten zu verbreiten. Die etwa drei Millionen deutschen Sportschützen, Jäger und Waffensammler werden von diesen Kreisen unter Generalverdacht gestellt und als potentielle Gefahrenquelle verunglimpft. Strafrechtlich könnte man diese Agitation als Volksverhetzung bewerten.
 
Die Fraktionen der Linken und der Grünen im Bundestag fordern ein generelles Verbot von Schusswaffen in Privathaushalten. Das Magazin „Der Spiegel“ geht in seiner Titelgeschichte der Ausgabe vom 23. März 2009 noch einen Schritt weiter und fordert ein generelles Verbot privater Schusswaffen. Dort wird u.a. behauptet, nachdem in Großbritannien der private Waffenbesitz sehr stark eingeschränkt wurde, sei Waffengewalt auf der Insel praktisch verschwunden. Tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall, denn Ver-brechen mit Waffengewalt haben in Großbritannien extrem zugenommen – allerdings mit illegalen, nicht gemeldeten Schusswaffen.
 
Offensichtlich vorsätzlich verschwiegen wird indes, dass es sich bei den legalen Waffenbesitzern um jene Bürger handelt, die als Malermeister, Optiker, Ärzte, Lehrer, Politiker, Polizeibeamte, Professoren und Pfarrer (ja, auch die!) einen staatstragenden Teil unserer Gesellschaft bilden! Verschwiegen werden ebenfalls die tatsächlichen Fakten, die sich anhand der jährlichen Statistiken des Bundeskriminalamtes und durch wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Bremen eindeutig belegen lassen. Diese machen nachhaltig deutlich, dass die legalen Waffenbesitzer kein Problem darstellen, aber das passt halt nicht in das Bild, dass den Bürgern vermittelt werden soll!
 
Ich finde, dass ist politischer und journalistischer Krawall der schlimmsten Sorte, der statt sachlicher Information und Lösungssuche nur billige Polemik bietet! Die einfache Formel „Weniger Waffen = weniger Amoktaten“ funktioniert nicht und wer etwas anderes behauptet, der drückt sich vor der Realität. Wenn ein geistig gestörter Täter erst mal seinen teuflischen Plan gefasst hat, wird er ihn umsetzen. Welches Tatwerkzeug er dabei nutzt, hängt alleine von seinen Zugangsmöglichkeiten ab. Man kann solche Täter durch Verbote nicht an der Ausführung ihrer Tat hindern. Den Beweis hat der 38-jährige Karst T. in Apeldoorn drastisch erbracht! 
 
Ich halte es für heuchlerisch, beschämend und peinlich, wenn Politiker und Journalisten aber genau diese Formel als Patentrezept preisen, anstatt sich Gedanken über die Ursachen des Phänomens und wie man diesen wirkungsvoll begegnen kann zu machen. Derartige Schnellschüsse entspringen offensichtlich dem niederen Drang, wahrgenommen zu werden, konstruktive Lösungsansätze bieten sie jedoch nicht. Tja, und einen recht faden Beigeschmack bekommt der Ruf nach dem Verbot von privaten Schusswaffen wenn man sich erinnert, wo es das in der Vergangenheit gegeben hat: in diktatorischen Staaten, wie beispielsweise der DDR. Dort jedoch nicht zum angeblichen Schutz der Bevölkerung, sondern zum Schutz des Staates vor den eigenen Volksgenossen! 
 
In der Bundesrepublik Deutschland gilt eines der schärfsten Waffengesetze weltweit, das heißt in kaum einem anderen Land sind derart hohe Hürden vor den Erwerb einer Schusswaffe gestellt. Waffenbesitzer stehen unter ständiger Beobachtung der Behörden, kleinste Verfehlungen (eine falsch ausgefüllte Steuererklärung kann ausreichen!) führen zum Verlust der waffenrechtlichen Erlaubnis – die „Zuverlässigkeit“ des Waffenbesitzers ist nicht mehr gegeben. Angehende Sportschützen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr müssen sogar ein psychologisches Gutachten vorlegen, dass Auskunft über ihre geistige Eignung zum Umgang mit Waffen trifft. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie möglicherweise bereits als Soldaten „Dienst an der Waffe“ leisten und die Interessen unserer Republik in Afghanistan vertreten oder ihr Leben bei der Piratenjagd riskieren. 
 
Die gesetzlichen Vorgaben bezüglich der Aufbewahrung von Waffen und Munition durch Privatpersonen sind vorbildlich, wobei dem Bürger hier größere Auflagen erteilt werden, als sie für die Waffenaufbewahrung bei der Bundeswehr oder in Polizeidienststellen gelten. Der Ruf nach weiteren Verschärfung kann daher nur als reiner Zweckpopulismus angesehen werden, eine Sinnhaftigkeit erkenne ich nicht. 
 
Nach meiner Ansicht ist es an der Zeit, den Hebel an wirkungsvoller Stelle anzusetzen. Bereits nach den Amokläufen von Erfurt und Emstetten ver-sprachen uns Politiker vollmundig speziell geschulte Lehrer und die Schaffung von Planstellen für psychologische Fachkräfte an unseren Schulen. Wurden diese Versprechen umgesetzt? Wurden Sorgentelefone eingerichtet? Haben Lehrer bei Klassenstärken von 30 und mehr Kindern noch die Chance, soziale Werte zu vermitteln? Wird mehr in eine aktive Jugendarbeit investiert? Bleibt Eltern neben der Berufstätigkeit genügend Zeit für ihre Zöglinge? Gibt es ausreichend Beratungsmöglichkeiten und Erziehungshilfen für Eltern? Leider müssen diese Fragen zumeist mit „Nein!“ beantwortet werden. 
 
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass unsere europäischen Nachbarländer von amoklaufenden Kids bislang verschont blieben – obwohl dort wesentlich liberalere Waffengesetze gelten!
 

Vielleicht liegt es ja daran, dass man sich in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Belgien mehr Zeit für die Erziehung der Kinder nimmt? Oder gibt es in diesen Ländern kein Fernsehen und kein Internet? Möglicherweise werden die Kinder dort auch mehr von ihren Familien aufgefangen – ich weis es nicht, aber darüber nachzudenken lohnt bestimmt! 
 
 
Axel Wahlen, Niederdürenbach